Wettgrundlagen

Deine Bankroll verwalten


Es gibt zwei Kernpunkte, die den längerfristigen Erfolg beim Sportwetten ausmachen. Der Erste ist die Fähigkeit, in den angebotenen Quoten Value zu erkennen, der Zweite, angemessen mit dem Wettkapital umzugehen.

Mit anderen Worten: Value zu optimieren und das Risiko zu managen.


Viele Wettende haben die Fähigkeit, Value auf einem bestimmten Sport-Wettmarkt zu erkennen - sei es durch Bauchgefühl, oder andere Intuition oder statistische Methoden zur Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses.

Wenn der Value allerdings erst einmal erkannt wurde, wieviel von deinem Budget solltest du nun einsetzen, ohne zuviel zu riskieren?

Was ist die Bankroll?

Im Grunde ist deine Bankroll einfach der Geldbetrag, den du für deine Wetten einsetzen und riskieren möchtest. Es ist wichtig, dass du am Anfang mit einer Bankroll startest, der es dir ermöglicht, auf eine Art zu wetten, die es dir ermöglicht, einen konstanten Gewinn zu beobachten.

Wir empfehlen zum Anfang eine Bankroll von wenigstens 50 Einheiten, lieber 100. Ja, ganz recht, das bedeutet, dass der Anteil, den du auf jede Wette setzt, anfangs ein sehr geringer ist. Aber du möchtest ja auch eine Weile dabei bleiben. Beginne langsam und lerne. Geduld ist der Schlüssel.

Wieviel sollte ich in jeder Wette einsetzen?

Es gibt eine Menge Investitions-Strategien, die auf Sportwetten angewendet werden können und wurden.

Das Ziel dieses Tutorials ist es, auch dem noch so unerfahrenen Anhänger von Sportwetten die wichtigesten Strategien des Geld-Managements nahe zu bringen. Am Ende soll nicht nur ein besseres Verständnis der Grundlagen stehen, die sich hinter Geld-Management verbergen, sondern auch die verbesserte Chance, dem kleinen Kreis langfristig profitabel Wettender anzugehören.

Ein konstanter Prozentsatz deiner Bankroll

Eine Strategie empfiehlt den Einsatz eines prozentualen Anteils deines Gesamt-Budgets bei jeder Wette. Es wird angenommen, dass diese Methode verhindert, dass Wettende ihr gesamtes Budget verlieren, da der Anteil den du setzt sich mit der Größe deines Bankrolls bewegt.

Es ist ein wenig wie Zenons Paradoxon. Der Pfeil wird niemals sein Ziel erreichen, da er die Distanz mit jedem Intervall halbiert. Selbst wenn du 5% deines Gesamt-Budgets von 1000€ setzt, wirst du nach 33 Verlusten in Folge immer noch knapp unter 200€ haben.

Aber um zum Punkt zu kommen, die Strategie setzt auch voraus, dass jede Wette den gleichen Value und gleiche Quoten bietet.

Würdest du beispielsweise den gleichen prozentualen Anteil auf eine 1.70-Favoriten-Wette setzen, wie auf eine 3.50-Außenseiter-Wette, ohne den zu erwartenden Value zu beachten? Die Antwort sollte ganz klar 'nein' lauten.

Aber wäre die Wahrscheinlichkeit dafür, dass 1.70-Favoriten gewinnen, tatsächlich konsequent die gleiche? Oder mit anderen Worten: Bietet jeder 1.70-Favorit den gleichen Value? Könnte natürlich sein, ist aber eher unwahrscheinlich.

Die Strategie eines konstanten prozentualen Anteils stellt zwar eine Strategie dar, sein Budget zu planen, ignoriert aber die Einflussgröße des Values, die nun einmal das Herz des Money-Managements ist. Am Ende würde sie also lediglich die Art und Weise organisieren, in der du dein Geld verlierst.

Die Quoten einbeziehen

Diese Methode ist ähnlich wie die des konstanten Anteils, mit dem Unterschied, dass sie einen Schritt weiter geht und die angebotenen Quoten mit in Betracht zieht.

Du könntest beispielsweise 5% von deinem Gesamt-Budget von 1000€, also 50€ als Standard-Einheit setzen.

Wenn du zu 2.00-Quoten wettest, bleibt die Einheit 50€, wenn du aber auf einen 11.00-Außenseiter setzt, werden daraus 5€.

Berechnet wird das Ganze wie folgt:

(1000€ * 0.05) / (11.00 -1) = 5

Das funktioniert gut, wenn du auf Außenseiter wettest, aber was passiert, wenn du auf Favoriten mit geringeren Quoten setzt? Wenn du 5% egal welchen Budgets setzt, würde die Wette auf eine 1.05-Quote dein gesamtes Budget schlucken.

Abgesehen davon, würden wir niemandem empfehlen irgendeinen Betrag nahe der 1.05-Favoriten-Quote zu platzieren, schon gar nicht das ganze Budget. Die Grenzen der Strategie sollten deutlich geworden sein. Der Value wird auch hier nicht in die Wett-Empfehlung einbezogen.

Das Kelly Kriterium

Natürlich hat auch diese Methode ihre Kritiker, aber die Kelly-Formel hat seit ihrer Einführung in den 50ern inzwischen einige Tests bestanden. Die Strategie hat den Vorteil, dass sie nicht nur die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Spieler oder Team gewinnt in Betracht zieht, sondern zusätzlich auch noch den Value der Quoten zu der Wahrscheinlichkeit ins Verhältnis setzt. Der Value wird hier auch bezeichnet als Overlay.

Die Empfehlung ist also, deinen Einsatz in Abhängigkeit der Höhe des Values zu bestimmen. Grundlage des Ganzen ist jedoch, dass du die Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten bestimmter Ereignisse mit steter Konsequenz einschätzt.

Wie wir in dem vorangegangenen Tutorial gesehen habem, ist der Value einfach zu berechnen:

Value = (% Wahrscheinlichkeit multipliziert mit den Dezimal-Quoten) minus 100%

Verschiedene Kelly-Abwandlungen

Es gab über die Jahre einige Ergänzungen zur Kelly-Formel. Auch wenn die Grundlagen die gleichen bleiben, hat jede Methode ihre Eigenheiten.

Kelly komplett

Auch wenn der vollständige Kelly eine gern angewendete Methode ist, kann er aus deinem Wett-Erlebnis einen stürmischen Ritt machen und zu riskanten Ratschlägen führen. Leicht kann mit Hilfe der Formel einmal eine Empfehlung von 50% deines Gesamt-Budgets rauskommen. In kürzester Zeit würde dein Budget sich im Ernstfall auf ein Minimum reduzieren. Auf der anderen Seite besteht natürlich auch die Möglichkeit einer spontanen Gewinn-Explosion.

Und so geht die Rechnung:

Einsatz als prozentualer Anteil deines Budgets = Value geteilt durch (Quoten minus 1)

 Beispielsweise würde die Kelly-Formel dir bei einem Value von 20%, Quoten von 2.40 und einem Budget von 1000€ einen Einsatz von 143€, also 14.3% deines Bankrolls empfehlen.

Das fraktionale Kelly System

Dies ist eine einfache und konservative Abwandlung der kompletten Kelly-Methode. Sie beruht darauf, lediglich einen bestimmten Anteil der empfohlenen Wette zu setzen. Dabei könnte es sich entweder um 50% (den halben Kelly), 25% (den viertel Kelly) oder einen anderen prozentualen Anteil handeln, mit dem du dich wohler fühlst.

Deiner Intuition nach müsste dies bedeuten, dass sich je nach Anteil, den du wählst, auch dein Gewinn verringert. Wenn man genauer hinsieht, lässt sich jedoch aufzeigen, dass die fraktionale Kelly Methode über längere Zeit zu höheren Gewinnen führen kann, als die komplette Kelly-Methode.

Das konstante Kelly System

Eigentlich das gleiche, wie die Kelly-Methode, allerdings mit einer abgewandelten Einsatz-Empfehlung. Statt einen festen prozentualen Anteil einer variablen Summe einzubringen, ist die Empfehlung, einen Prozentsatz einer Konstanten zu setzen. Anstelle einer 15%-Empfehlung eines zu- oder abnehmenden Bankrolls, ist der Vorschlag beispielsweise, 15% eines festen Betrages auf eine Wette zu verwenden.

Viele Wetten zur selben Zeit

Eine Kehrseite der Kelly-Methode zeigt sich, wenn man versucht sie auf Kombiwetten anzuwenden.

Sagen wir einmal, es gibt 4 Partien, auf die du wetten möchtest, die alle zur gleichen Zeit stattfinden. Nehmen wir nun einmal an, der empfohlene zu setzende Anteil deines Budgets (Bankroll) für Wette A beträgt 25%, für Wette B 35%, für Wette C 35% und für Wette D 40%.

Daraus ergibt sich insgesamt ein Bankroll von 135% - was natürlich unmöglich ist.

Eine Lösung für das Problem wäre es, den Anteil proportional so zu verändern, dass 100% des Bankrolls gesetzt werden können. Wette A bekäme damit beispielsweise bei 25% von 135% einen Wert von 19% von 100%.

Das Problem damit ist zum einen, dass du immer noch 100% deines Budgets auf 4 Ereignisse setzt, die alle leicht verloren gehen können. Zum anderen würde das bedeuten, dass du der 25%-Wette an einem Tag, an dem viel los ist nicht den gleichen Value zuordnest, wie an einem Tag, an dem die Wette die einzige ist, die du platzierst.

Eine Möglichkeit das Problem zu lösen wäre die Anwendung der fraktionalen Kelly Methode. Egal auf wieviele Ereignisse du an einem Tag wettest, wird dein Einsatz wahrscheinlich nie die 100% deines Budgets erreichen.

Könnte gut funktionieren, aber soweit wir wissen ist es recht gut möglich an einem Tag auf 20 oder mehr Ereignisse zu wetten, was am Ende doch dazu führt, dass die 100% erreicht werden.

Was wir empfehlen würden?

Wir empfehlen die fraktionale Kelly Methode mit 10%. Damit kannst du dein Gesamt-Budget sichern während du täglich auf zahlreiche unterschiedliche Sportereignisse setzt.

Wenn dein Bankroll also 5000€ beträgt und du auf ein Team mit einer Sieg-Quote von 2.60 bei einer angenommen Siegwahrscheinlichkeit von 50% setzt, berechnet sich der empfohlene Einsatz wiefolgt:

(Bankroll * gewählter Anteil) * (Value/(Quote - 1))
z.B. (5000€ * 10%) * (50% / 1.60)=93.75€

Probier es selbst aus

Es gibt einige Strategien des Bankroll-Managements. Wir glauben, dass die fraktionale Kelly Methode die Beste ist. Sie bezieht nicht nur die angebotenen Quoten mit ein, sondern auch die zugrunde liegenden Wahrscheinlichkeiten eines Spielers oder Teams zu gewinnen und die daraus resultierenden Values. Ergebnis ist eine Einsatz-Empfehlung, die hilft, den Value zu optimieren, ohne den Bankroll und eines frühes Ende deiner Sportwetten-Karriere zu riskieren.